Ich war nie jemand, der viel Zeit mit Styling oder ähnlichem verbracht hat. In dieser Beziehung bin ich eher ein ‚low maintenance girl’. Aber ich war trotzdem immer eitel.

 

Wahrscheinlich mehr aus Unsicherheit als aus Eitelkeit. Weil ich mich selbst nie wirklich schön fand und eher überrascht war wenn ich ein Kompliment bekam.

 

Andererseits war ich früher auch stinksauer wenn ich auf mein Äußeres reduziert wurde. Denn das war mir nicht so wichtig wie die inneren Werte und das was ich im Kopf habe – dachte ich – bis ich älter wurde…

 

Wenn mir früher Ältere davon berichteten, dass sie Probleme mit ihrem Alter und der damit verbundenen schwindenden Optik haben, konnte ich das nie verstehen.

 

Ich sagte dann immer, dass es doch toll sei wenn man in einem Gesicht erkennen könnte, dass es gelebt hat. Dass Lachfalten davon zeugen, dass man Spaß in seinem Leben hatte und man sie deshalb auch gut zeigen kann.

 

Leider bedachte ich damals nicht, dass sich auch die negativen Emotionen mit der Zeit in unserem Gesicht zeigen.

 

Und ich sehe mittlerweile auch in meinem, dass ich nicht immer nur gelacht, sondern mich auch oft geärgert habe oder traurig war.

Ich sehe das dicke Fell, das ich mir angezüchtet habe. Die erlebten Enttäuschungen und eine gewisse Härte, die ich mir aneignen musste, um die zu werden die ich heute bin.

 

All das ist gut zu wissen, ich möchte aber nicht jeden Tag beim Blick in den Spiegel daran erinnert werden. Und auch nicht, dass es andere sehen.

 

Doch Sichtbarkeit ist ein großes Thema geworden in unserer Zeit. Verstecken spielen gilt nicht mehr.

Und auch, wer kein großer Fan der Öffentlichkeit ist, sieht sich heute gezwungen, sich dem zu stellen.

Auch wenn er/sie nicht mehr den Anforderungen des ‚young and always fresh and beautiful’- Dogmas genügt, das man heute überall sieht.

 

Vielleicht sehe auch nur ich es so weil ich mich dadurch unter Druck fühle.

 

Mein Kopf sagt, dass ich zu alt bin mit 20-jährigen Mädels zu konkurrieren und doch ziehe ich automatisch Vergleiche wenn ich durch’s Netz streife und mir scheinbar nur glattgebügelte Gesichter entgegenstrahlen.

 

Kannst Du Dein Gesicht anderen wirklich so zumuten? Denn Falten, Tränensäcke und Co. sind heute ganz offensichtlich out.

 

Dabei finde ich es eigentlich gar nicht gut wo wir mit dieser perfekten, künstlichen Optik hinsteuern.

 

Wenn ich Promis im TV sehe, deren Gesichter so komplett verblendet werden, dass man keine Konturen mehr erkennt, frage ich mich wo wir damit hinkommen.

 

Wie vor allem junge Menschen lernen sollen sich und ihren Körper so zu akzeptieren wie er ist und authentisch zu ihrem Äußeren stehen können.

 

Ganz ehrlich – ich wollte auch nicht mehr jung und diesem Druck ausgesetzt sein, gemachte Lippen, Brüste, falsche Wimpern und Co. haben zu müssen, um mit dem heutigen Schönheitsideal mithalten zu können.

 

Da lebten wir früher doch echt entspannter.

 

Und entspannen könnte ich mich deshalb auch jetzt und die anderen machen lassen, was sie für richtig halten.

 

Und mich so nehmen wie ich bin.